Füllwörter: Eigentlich einfach nur unnötig?

Hallo, Schreiberlinge! Ihr habt sicherlich schon mal von „Füllwörtern“ gehört, oder? Sie tummeln sich in unseren Texten und Geschichten, teilweise, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Auch ich benutze gerne Füllwörter, ich denke sogar, ziemlich viele. Aber stimmt es wirklich, dass Füllwörter überflüssig sind, unsere Texte sogar verschlechtern? Um eins vorwegzunehmen: die finale Antwort könnte durchaus überraschen.

Was ist ein Füllwort?

„Ein Füllwort ist laut Duden ein Wort mit geringem Aussagewert, das zum Verständnis des Kontextes nicht notwendig ist. Typische Beispiele sind garja und also.“ (Quelle: Wikipedia)

>> Eine ausführliche Liste mit Füllwörtern findet ihr am Ende des Beitrags

Sind Füllwörter wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

Wenn wir uns die Definition zum Begriff „Füllwort“ anschauen, können wir leicht zu dem Schluss kommen, dass Füllwörter in unseren kreativen Texten absolut nichts zu suchen haben. Es heißt, sie sind unnötig, haben praktisch keine Aussagekraft. Was wollen wir also mit ihnen? Im Netz finden sich zahlreiche Sheets mit Titeln wie diesen: „Vermeide diese Füllwörter“ oder „Füllwörter – Wörter, die du aus deinen Texten streichen kannst“. Sicher: zu viele Füllwörter können den Lesefluss negativ beeinflussen. Sätze werden aufgebläht und verkompliziert:

Ich glaube, eigentlich hat sie ja gar nicht gewusst, dass er in Wahrheit anscheinend überhaupt kein echtes Interesse an ihr hat.“

In dem Satz habe ich gleich acht (!) Füllwörter untergebracht. Klar, dass das too much ist. Prüfen wir, welche Wörter wir streichen können, ohne die Satzaussage grob zu verändern.

Ich glaube, sie hat nicht gewusst, dass er kein echtes Interesse an ihr hat.“

Jetzt sind es nur noch zwei Füllwörter und die Aussage ist praktisch dieselbe geblieben. Aber: ganz ohne Füllwörter (bzw. Wörter, die oft auf Füllwörter-Listen auftauchen) geht es auch wieder nicht. Wenn wir z. B. „wirkliches“ weglassen, ändert sich die Aussage von wenig Interesse auf kein Interesse. Also Achtung!

Füllwörter als Stilmittel

Zu viele Füllwörter sollten wir vermeiden. Soweit nichts Neues. Es gibt aber auch noch eine interessante Möglichkeit, gezielt mit Füllwörtern zu arbeiten. Erinnern wir uns mal an die gute, alte Schulzeit zurück. Stichwort „Referat“. Bei Vorträgen von Mitschülern sind einem bestimmte Füllwörter manchmal lästig aufgestoßen oder es ist zumindest aufgefallen, wie oft eine Person ein bestimmtes Füllwort (oder eine Kombination) sagt. „Das ist halt eben so…“ oder „Ja, also rein theoretisch wäre das möglich“. Ich würde behaupten, fast jeder hat zumindest ein Lieblings-Füllwort, dass er/sie unbewusst verwendet. Und genau da liegt das Potenzial der Füllwörter! Wir können bestimmte Füllwörter (oder Kombinationen) bestimmten Figuren in unseren Geschichten zuordnen und sie damit charakterisieren. Außerdem gilt: eine gesunde Menge an Füllwörtern, vor allem in Dialogen, lässt die Figuren glaubhafter erscheinen. Niemand redet perfekt. Nicht in der Wirklichkeit. Nicht in unseren Geschichten. Auch, wenn kreative [Bücher-]Welten natürlich eine Sache für sich sind und (zum Glück) nicht allen Regeln der Realität befolgen müssen.

Fazit

Zu viele Füllwörter belasten unsere kreativen Texte, ganz ohne kommen wir jedoch auch nicht aus. Wer geschickt ist, kann sie sogar gezielt als Stilmittel einsetzen. Mein abschließendes Fazit: „Füllwörter haben ihren Platz in unseren Geschichten genauso verdient wie alle anderen Wörter auch. Nur sollten wir aufpassen, dass sie nicht die Überhand gewinnen.“

Was haltet ihr von Füllwörtern? Wenn ihr Lust habt, wagt doch mal den Selbstversuch. Schaut, wie viele Füllwörter sich in eurem zuletzt geschriebenen Text versteckt haben und teilt das Ergebnis hier als Kommentar mit. Die unten stehende Liste hilft euch, die Füllwörter ausfindig zu machen. Ja, ich weiß, es sind ziemlich viele!

Liste mit 127 Füllwörtern (Quelle: sternenvogelreisen.de)

a bis h i bis n o bis z
anscheinend

ausnahmslos

augenscheinlich

ausdrücklich

bei weitem

besonders

bestenfalls

bestimmt

demgegenüber

echt

eigentlich

einfach

einigermaßen

einmal

endlich

erheblich

etwa

etwas

fast

folgendermaßen

fortwährend

fraglos

freilich

ganz gewiss

ganz und gar

gar

gelegentlich

genau

gerade

geradezu

gesagt

gewiss

gewissermaßen

gewöhnlich

gleichsam

grundsätzlich

gänzlich

halt

hervorragend

hier und da

 

ich glaube

ich sage mal

im Prinzip

immer

in Wahrheit

in aller Deutlichkeit

in der Regel

in diesem Zusammenhang

in etwa

in gewisser Weise

infolgedessen

inzwischen

irgend

irgendwann

irgendwie

irgendwo

ja

jede

kaum

keinesfalls

keineswegs

letzten Endes

letztendlich

mal

man könnte sagen

manchmal

maßgeblich

mehrere

meist

meistenteils

mutmaßlich

möglicherweise

nachhaltig

natürlich

nicht wahr

nichtsdestotrotz

nichtsdestoweniger

nie

niemals

normalerweise

nun

nur

 

offenbar

offenkundig

oft

ohne Umschweife

ohne Zweifel

plötzlich

praktisch

regelrecht

relativ

ruhig

schon

sehr

selbstredend

seltsamerweise

sicher

sicherlich

sogar

sogleich

sonst

sozusagen

streng

unbedingt

ungefähr

unlängst

unsinnige

ursprünglich

vergleichsweise

vielfach

vielleicht

völlig

vollkommen

wahrscheinlich

weitgehend

wenige

wenigstens

wieder

wieder einmal

wirklich

wohl

ziemlich

zugegeben

zweifellos

zweifelsohne

überhaupt

übrigens

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5 Kommentare zu „Füllwörter: Eigentlich einfach nur unnötig?

    1. Hallo, Melanie! Nichts zu danken. „Immer“, „einmal“ und „wenig(e)“ sind streng genommen Füllwörter, aber wie gesagt, ganz ohne geht es ja auch nicht, also alles gut.. 😀 Dir ebenfalls einen schönen ersten Advent! 🙂

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